29. Mai 2006

Rot für Mälzer

"Das ist aber auch nicht fair. Da könnte man auch nach dem Rekordmeister von Luxemburg fragen?"

(Tim Mälzer beim Wer wird Millionär? - Prominentenspecial zur WM 2006 auf die Frage nach dem DDR-Rekordmeister)


Anmerkung der Redaktion:

Lieber Herr Mälzer,

ich werde mich hier sicher nicht auf eine ähnlich plakative Weise wie Sie in eine Ost-West-wir-sind-(k)ein-Volk-Diskussion verstricken, wie an dieser Stelle vielleicht zu befürchten wäre.

Aber soviel sei dann doch erlaubt: Bei einer Auswahl bestehend aus Berlin, Potsdam, Leipzig und Schwerin hätte eigentlich auch Ihnen, dem selbsternannten HSV-Fan schlechthin, das eine oder andere Licht aufgehen müssen.

Gut, dass sie sich weigern auch nur einen guten oder zumindest richtigen Kommentar Richtung Bremen - sei es bezüglich der Merkschen-Schiedsrichterleistung am 34. Spieltag oder aber der Frage "Welcher Verein benannte sich nach seiner ersten Spiel- und Trainingsstätte?" - abzugeben, ist das eine.

Dann aber so zu tun, als wäre es genauso schwierig die Erfolge des Stasi-Klubs Dynamo wie die Erfolge von Jeunesse Esch (mit 27 Titeln luxemburgischer Rekordmeister) einzuordnen, ist wirklich bitter.

Mag sein, dass sie den 11. Oktober 1988, als der SV Werder Bremen als amtierender Deutscher Meister den Hauptstadtverein mit 5:0 zurück in die sozialistische Heimat schickte, aus Ihrem Hamburger Herzen gestrichen haben.

Aber wie ist es denn mit dem 15. oder aber dem 29. September 1982? Der kleine Tim war seinerzeit stolze 11 Jahre alt und sein rautenbesetzter Lieblingsverein spielte im Europapokal der Landesmeister gegen jenen, scheinbar unbekannten Berliner Fußballklub, der fast 24 Jahre später im Mittelpunkt einer Unterhaltungssendung stehen sollte.

Nein, bei allem Respekt vor dem luxemburgischen Fußball, der uns dieser Tage soviel Freude bereitet hat: Dass der BFC Dynamo keine Unbekannte ist wie etwa dieser kleine sympathische Verein aus dem Süden des Großherzogtums, hätte selbst uns Tim bekannt sein dürfen.

Kommentare:

Platzwart hat gesagt…

Tim Mälzer hat sich in gar nichts verstrickt, schon gar nicht in irgendeine Diskussion.

Er war nur ehrlich.

Und wenn man sich für DDR-Fußball nicht interessiert, ist es nicht einfach, den Rekordmeister zu kennen. Und nur, weil der BFC in den Achtzigern hin und wieder inter- und intranational spielte, muss das ja noch lange nicht Rekord bedeuten. Unbekannt war ihm die Mannschaft jedenfalls nicht, nur egal. Ein Westdeutscher eben.

Marika hat gesagt…

Es ist richtig, dass Tim Mälzer sich nicht in Diskussionen oder eine tiefergehende Auseinandersetzung mit dem Thema DDR-Fußball verstrickt hat. Ob das nun seinem oder aber dem Geschick von Moderator Günter Jauch zuzuschreiben ist, sei dahin gestellt.

Dass er, Tim Mälzer, ehrlich war, dass will ich ihm auch in keiner Weise absprechen. Dennoch hat mich dieser für meinen Geschmack sehr abfällige Vergleich mit dem luxemburgischen Vereinsfußball sehr geärgert und insbesondere sein "Aufruf" nach Fairness in diesem Zusammenhang.

Und gerade weil der BFC hin und wieder im europäischen Fußballgeschäft auftauchte, ganz im Gegensatz zu etwa Potsdam oder Schwerin, hätte man doch durch simples Kombinieren darauf kommen können, dass diese Vereine sich womöglich gar nicht erst qualifiziert haben und damit auch nicht Rekordmeister sein konnten.

Mag sein, dass es ihm "egal" war. Aber von einer medienerfahrenen Person wie ihm hätte ich mir dennoch ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl in seinen Äußerungen gewünscht.

Vielleicht sehe ich das aber auch falsch oder wie ein typischer Ostdeutscher eben.